Sonntagszmittag bei den Eltern. Im Wohnzimmer läuft noch der Fernseher, ziemlich laut. Am Tisch erzählt die Enkelin vom Skilager. Der Grosspapi nickt und lächelt. Dann fragt er etwas, das gerade beantwortet wurde. Kurz wird es still.
Viele Familien kennen solche Momente. Und viele fragen sich danach: Soll ich etwas sagen? Und wenn ja, wie?
Kurzantwort: Beobachten Sie zuerst in Ruhe, wann Ihr Vater schlecht versteht. Sprechen Sie es dann in einem ruhigen Moment an – mit Ich-Botschaften statt Vorwürfen. Bieten Sie konkrete Hilfe an: einen kostenlosen Hörtest, zu dem Sie mitkommen. Sagt er Nein, akzeptieren Sie das vorerst und lassen Sie die Tür offen.
Woran erkenne ich, dass mein Vater schlecht hört?
Ein Hörverlust kommt meist leise. Die Familie bemerkt ihn oft früher als die betroffene Person selbst. Achten Sie auf solche Situationen:
- Der Fernseher oder das Radio läuft lauter als früher.
- «Wie bitte?» fällt öfter – oder er nickt, ohne nachzufragen.
- Antworten passen nicht ganz zur Frage.
- Beim Familienfest oder Znacht im Restaurant wird er still und wirkt müde.
- Er telefoniert weniger, die Gespräche werden kürzer.
- Die Türklingel oder das Telefon überhört er.
- Er sagt, die anderen würden «nuscheln».
- Hohe Stimmen, etwa von Enkelkindern, versteht er schlechter
Diese Anzeichen sind keine Diagnose. Wie gut jemand hört, zeigt erst ein Hörtest.
Praktisch: Notieren Sie zwei, drei konkrete Situationen. Dann können Sie später sachlich davon erzählen statt allgemein.
Warum sagen viele zuerst «Ich höre doch gut»?
Diese Reaktion ist verständlich. Hörverlust entsteht schleichend, über Jahre. Das Gehirn gewöhnt sich an die leisere Welt. Was fehlt, merkt man selbst kaum.
Dazu kommt das Bild im Kopf: Hörgeräte gleich alt. Niemand wird gern auf eine Schwäche angesprochen, schon gar nicht von den eigenen Kindern. Mit Sturheit hat das wenig zu tun. Es geht um Würde und darum, selbst zu entscheiden.
Ihr Vater ist der Fachmann für sein eigenes Leben. Er entscheidet, ob und wann er etwas unternimmt. Sie können ihm den Weg erleichtern – gehen muss er ihn selbst.
Wie spreche ich es an, ohne zu verletzen?
- Den richtigen Moment wählen. Unter vier Augen, ohne Zeitdruck. Ein Spaziergang eignet sich besser als die volle Tischrunde.
- Von sich selbst sprechen. Erzählen Sie, was Sie beobachten und was es mit Ihnen macht. «Mir ist aufgefallen, dass du am Telefon oft nachfragst. Ich vermisse unsere langen Gespräche.»
- Fragen und zuhören. Lassen Sie ihn erzählen, wie er es erlebt. «Wie geht es dir eigentlich an Familienfesten? Ist es dir manchmal zu laut?»
- Einen konkreten nächsten Schritt anbieten. Machen Sie es einfach – und bieten Sie Begleitung an. «Ein Hörtest ist kostenlos und unverbindlich. Wollen wir zusammen hingehen? Ich komme gern mit.»
- Die Entscheidung bei ihm lassen. Kein Ultimatum, kein Drängen. «Gut. Überleg es dir in Ruhe. Das Angebot steht.»
Was sollte ich besser nicht sagen oder tun?
- Vorwürfe wie «Du hörst ja nie zu!»
- Das Thema vor anderen ansprechen oder Witze darüber machen
- Über seinen Kopf hinweg reden oder für ihn antworten
- Mit Angst argumentieren
- Einen Termin ohne sein Einverständnis buchen
- Immer lauter sprechen – besser: deutlich, etwas langsamer, mit Blickkontakt
Was tun, wenn er Nein sagt?
Ein Nein ist oft ein «Noch nicht». Nehmen Sie es ernst und lassen Sie das Thema eine Weile ruhen. Bleiben Sie im Alltag aufmerksam und freundlich. Manchmal hilft eine andere Person: die Partnerin, ein Geschwister, die Hausärztin. Manchmal ein Anlass, etwa ein Geburtstag. Und manchmal kommt die Frage nach einiger Zeit von ihm selbst.
Was in der Zwischenzeit hilft: Sprechen Sie ihn von vorn an. Schalten Sie Musik oder Fernseher bei Gesprächen aus. Wählen Sie im Restaurant einen ruhigen Tisch.
Kann ich einen Hörtest für meine Eltern buchen?
Ja. Sie können den Termin bei Audika direkt online für Ihre Mutter oder Ihren Vater buchen. Tragen Sie dabei einfach den Namen der Person ein, die den Hörtest macht. Telefonisch geht es unter 0800 22 11 22 (gebührenfrei).
Sprechen Sie den Termin vorher mit Ihren Eltern ab. Sie entscheiden mit.
Kostenlosen Hörtest buchen
Was passiert beim Hörtest – und warum zu zweit?
Kommen Sie zu zweit. Angehörige sind beim Hörtest ausdrücklich willkommen. Vier Ohren hören mehr als zwei: Sie können Fragen stellen, sich Erklärungen merken und Situationen aus dem Alltag ergänzen. Die Entscheidung bleibt bei Ihrem Vater.
- Der Hörtest ist kostenlos und unverbindlich.
- Er dauert 30 bis 60 Minuten.
- Ist ein Hörgerät sinnvoll, kann man es bis zu 30 Tage kostenlos zuhause testen – im eigenen Alltag.
- Audika hat über 90 Hörcenter in der Schweiz.
Was kostet ein Hörgerät – und wer zahlt mit?
Ist ein Hörgerät nötig, zahlen AHV oder IV unter bestimmten Voraussetzungen eine Pauschale:
| Versicherung | Ein Hörgerät | Zwei Hörgeräte | Wie oft |
| IV (vor dem AHV-Alter) | CHF 840 | CHF 1’650 | höchstens alle 6 Jahre |
| AHV (im AHV-Alter) | CHF 630 | CHF 1’237.50 | höchstens alle 5 Jahre |
Voraussetzung: Eine anerkannte ORL-Expertenärztin oder ein anerkannter ORL-Expertenarzt (Hals-Nasen-Ohren) stellt den Hörverlust fest. Die Grundversicherung der Krankenkasse zahlt in der Regel nicht. Bei Zusatzversicherungen lohnt sich eine Nachfrage.
Quelle: Merkblätter 3.07 und 4.08, ahv-iv.ch, Stand 2026
Wie nutze ich Weihnachten oder ein Familienfest?
An Festtagen reden alle durcheinander. Gerade dann merkt man, wie anstrengend Zuhören geworden ist. Machen Sie das Fest nicht zur Bühne. Ein ruhiger Moment nach dem Essen passt besser.
Geschenkidee für Vater/Mutter: ein gemeinsamer Hörtest-Termin. Zum Beispiel eine schöne Karte: «Im Januar nehme ich mir einen Vormittag für uns. Wir gehen zusammen zum Hörtest und danach auf einen Kaffee.»
Häufige Fragen
- Kann ich einen Hörtest für meine Mutter buchen? Ja. Buchen Sie online und tragen Sie den Namen Ihrer Mutter ein, oder rufen Sie 0800 22 11 22 an (gebührenfrei). Sprechen Sie es vorher mit ihr ab. Sie sind beim Termin willkommen.
- Mein Vater sagt Nein. Was jetzt? Akzeptieren Sie das vorerst. Bleiben Sie freundlich und lassen Sie die Tür offen. Oft braucht es Zeit oder einen Anlass.
- Ab wann ist ein Hörtest sinnvoll? Sobald Ihnen oder Ihrem Vater Veränderungen beim Hören auffallen. Ein Hörtest schafft Klarheit, auch wenn sich später nichts ändern muss.
- Zahlt die Krankenkasse ein Hörgerät? Die Grundversicherung in der Regel nicht. AHV oder IV zahlen unter Voraussetzungen eine Pauschale, die AHV zum Beispiel CHF 630 für ein Hörgerät (ahv-iv.ch, Stand 2026).
- Hängen Hörverlust und Demenz zusammen? Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen unbehandeltem Hörverlust und einem höheren Demenzrisiko hin. Ob Hörgeräte dieses Risiko senken, ist nicht abschliessend geklärt. Sicher ist: Gutes Hören erleichtert Gespräche und Kontakte.
- Darf ich beim Hörtest dabei sein? Ja, Angehörige sind ausdrücklich willkommen.
Hörtest für Ihre Eltern buchen – und gleich mitkommen
Kostenlos, unverbindlich, 30 bis 60 Minuten. Kommen Sie zu zweit.
Kostenlosen Hörtest buchen oder telefon 0800 22 11 22 (gebührenfrei) ·
Warnzeichen: Bitte sofort ärztlich abklären. Gehen Sie umgehend zur Hausärztin, zum Hausarzt oder in die HNO-Praxis, wenn:
- das Hören plötzlich schlechter wird (möglicher Hörsturz)
- nur ein Ohr betroffen ist
- Schwindel auftritt
- das Ohr schmerzt
- Flüssigkeit aus dem Ohr läuft.
Fachlich geprüft von: Audiologie Urdorf | Audika