Man ist nie zu jung für gesunde Hörgewohnheiten

15.04.2020

Es ist nie zu früh, jungen Menschen die Bedeutung gesunder Hörgewohnheiten ans Herz zu legen. Das intelligente Hörverhalten, das Sie Ihren Kindern vermitteln, wird noch lange nach der Kindheit und den Jugendjahren Früchte tragen.

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass 1,1 Millionen Teenager und junge Erwachsene durch die Geräuschbelastung an lauten Konzerten, Sportveranstaltungen oder durch Kopfhörer einen Hörverlust riskieren (1). Mit der Zeit kann eine Geräuschbelastung von über 85 Dezibel das Hörvermögen beeinträchtigen. Bei Kopfhörern werden nicht selten 100 Dezibel erreicht. An Rockkonzerten werden gar erschlagende 120 Dezibel erreicht.

Die Sachlage ist eindeutig. Durch starke Lärmbelastung werden die winzigen, für das Empfangen der Geräusche zuständigen Haarzellen im Ohr beschädigt. Wenn zu viele Haarzellen beschädigt sind, verlieren sie ihre Fähigkeit, Geräusche ans Gehirn weiterzuleiten. Neue Erkenntnisse weisen darauf hin, dass selbst ein ganz leichter, kaum bemerkbarer Hörverlust bei jungen Menschen das Gehirn so beansprucht, dass dies im späteren Leben zu einer Demenz führen könnte (2).

Junge Menschen sind besonders empfänglich für riskante Hörpraktiken. Heutzutage tragen viele Jugendliche täglich Kopfhörer, um Musik oder Podcasts zu hören oder Filme und Videogames zu streamen. Die meisten verstehen die kumulativen und bleibenden Auswirkungen nicht, die diese Lärmbelastung auf ihr Hörvermögen haben kann. Eine von der Johns Hopkins University durchgeführte Studie zeigte, dass das Bewusstsein eines lärmbedingten Hörverlustes bei Teenagern und jungen Erwachsenen gering ist (8 Prozent) (3).

Sie können Teenager und junge Erwachsene dabei unterstützen, eine gesunde Einstellung zur Steuerung einer lauten Umgebung für ihr langfristiges Wohlbefinden zu entwickeln. Fördern Sie intelligente Hörgewohnheiten für eine bessere Hörgesundheit – jetzt und langfristig.

Reduzieren Sie die Lautstärke

Wer hat je behauptet, dass laut mehr Spass bedeutet? Die dröhnende Musik von heute bringt morgen die Unfähigkeit, Gespräche mit Freunden in einem Restaurant zu geniessen oder den Professor im Auditorium der Uni zu verstehen. Bei den meisten Smartphones gibt es die Möglichkeit, die Lautstärke automatisch auf eine Obergrenze zu beschränken. Idealerweise sollte diese Obergrenze bei maximal 60 Prozent der maximalen Lautstärke liegen (4).

Kann die Person neben Ihnen die Musik aus Ihren Kopfhörern mithören? Das ist ein einfaches Indiz dafür, dass die Lautstärke zu hoch eingestellt ist.

Erhöhen Sie nie die Lautstärke, um eine laute Umgebung zu übertönen, sondern verwenden Sie lieber geräuschreduzierende Kopfhörer, die den Umgebungslärm gezielt herausfiltern.

Genauso wie es wichtig ist, zwei Hörgeräte zu tragen, ist es auch am besten, beide Ohrstöpsel zu nutzen. Wenn Sie Ihren Kopfhörer nur auf der einen Seite tragen, erscheint der Klang nicht gleich laut und Sie tendieren eher dazu, die Lautstärke aufzudrehen.

Achten Sie auf die Zeit

Begrenzen Sie die Kopfhörerzeit und gönnen Sie Ihren Ohren regelmässige Pausen. Der Schaden durch Lärmbelastung ist kumulativ. Je lauter der Lärm, desto weniger lange dauert es, bis ein Schaden entsteht. Experten empfehlen die 60/60-Regel: Benutzen Sie Kopfhörer nie länger als 60 Minuten am Stück und begrenzen Sie dabei die Lautstärke auf 60 Prozent der maximalen Lautstärke des Geräts (5).

Schützen Sie Ihr Gehör

Ein Konzertticket oder ein Eintritt zu einem Sportanlass mag teuer sein, Ihr Gehör zu schützen, sollte es aber nicht sein. Ein Paar kostengünstiger Schaumstoff-Ohrstöpsel oder Ohrenschützer kann Sie vor übermässiger Lärmbelastung schützen. Die Ohrstöpsel werden in das Ohr gesteckt, sodass sie den Gehörgang verstopfen. Ohrenschützer umschliessen beide Ohren komplett.

Überwachen Sie die Dezibel-Werte mit Hilfe Ihres Smartphones. Nutzen Sie ein Lautstärken-Monitoring-App, wenn Sie in Bezug auf den Geräuschpegel Zweifel haben.

Sie werden von einer Sirene oder einer lauten Explosion überrascht? Bedecken Sie im Notfall Ihre Ohren mit den Händen, um den Lärm abzublocken.

Möchten Sie mehr darüber erfahren, wie Sie Ihr Gehör schützen können? Lesen Sie hier unsere Tipps.

 

Sie können Ihrer Familie ein gutes Hörverhalten vorleben. Reduzieren Sie die Lautstärke des Fernsehers oder Radiogeräts und unternehmen Sie weitere Schritte, um den Lärmpegel bei Ihnen zu Hause so gering wie möglich zu halten. Erklären Sie gemeinsame Mahlzeiten zu einer Zeit einfacher Gespräche ohne den Hintergrundgeräusche durch Musik oder Küchengeräte. Nehmen Sie bei Familienausflügen zu Sportveranstaltungen, Konzerten, ins Kino oder anderen lauten Veranstaltungen für alle einen Gehörschutz mit. Kaufen Sie leisere Geräte, besonders solche, die oft genutzt werden, wie den Haarföhn, und beharren Sie darauf, dass alle Familienmitglieder einen Gehörschutz tragen, wenn sie den Rasen mähen oder sonstige laute Geräte benutzen.

 

Ein regelmässiger Hörtest ist ein einfacher, schmerzfreier und wichtiger Schritt zum Schutz der Hörgesundheit Ihrer Familie. Planen Sie Hörtests als Teil der jährlichen Gesundheitschecks ein. Sollte Ihr Kind die Lautstärke des Fernsehers aufdrehen, oft Gesprächsfetzen verpassen oder sich über ein Klingeln oder Summen in den Ohren beklagen, sollten Sie sich hier unverzüglich an einen Hörsystemakustiker für ein Beratung wenden.

 

1. https://www.who.int/mediacentre/news/releases/2015/ear-care/en/
2. https://news.osu.edu/subtle-hearing-loss-while-young-changes-brain-function-study-finds/
3. Pediatrics 2005;115:861–867; noise-induced hearing loss.
4. https://www.nhs.uk/live-well/healthy-body/top-10-tips-to-help-protect-your-hearing/
5. https://www.healthyhearing.com/report/52503-Headphones-when-hearing-danger-is-closer-than-you-think

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